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IG BAU Nord-West-Sachsen kündigt "Renten-Herbst" an

SPD im Kreis Leipzig soll Kehrtwende bei „Rente 67“ flankieren.

Der „Rentenhammer“ vom Bau: Bauarbeiter im Kreis Leipzig lassen bei der Rente mit 67 nicht locker. Im Herbst soll die Rente auf den Baustellen und in den Betrieben eine zentrale Rolle spielen. Das hat die Industriegewerkschaft BAU Nord-West-Sachsen angekündigt.

„Nicht einmal jeder zehnte Bauarbeiter schafft es, in seinem Job durchzuarbeiten und mit 65 in Rente zu gehen. Mehr als 40 Prozent der Maurer und Poliere müssen mit einer Erwerbsminderungsrente aus dem Berufsleben ausscheiden, weil sie körperlich kaputt sind. Sie leben dann durchschnittlich von nur 643 Euro Rente pro Monat“, sagt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Nord-West-Sachsen, Detlef Zeiß. Viele erreichten nicht einmal die Erwerbsminderungsrente. Sie scheiterten bereits an den enorm hohen Hürden, an Gutachtern und Gerichten. Der Zugang zur Erwerbsminderungsrente müsse dringend erleichtert werden.

„Ein Großteil der Bauarbeiter geht direkt aus der Arbeitslosigkeit in die Rente, viele nur mit Hartz IV. Das ist die traurige Renten-Realität in Deutschland“, so Zeiß. Im Schnitt sind Bauarbeiter nach Angaben der IG Bauen-Agrar-Umwelt Nord-West-Sachsen nicht einmal 57Jahre alt, wenn sie die Kelle aus der Hand legen müssen. „Wer Baubeschäftigten trotzdem die Rente mit 67 verordnen will, der hat noch nie einen Fuß auf eine Baustelle gesetzt“, so Zeiß. Er forderte die heimischen Bundestagsabgeordneten auf, bei der anstehenden Abstimmung im Herbst die Rente mit 67 im Parlament zu kippen.

Die Rente mit 67 bedeute nichts anderes als eine drastische Rentenkürzung: „Jedes Jahr, das ein Arbeitnehmer früher in Rente gehen muss, schlägt mit 3,6 Prozent Abzug von der Regelrente zu Buche. Bleibt es bei der Rente mit 67, dann haben Bauleute in Zukunft mit enormen Rentenabschlägen zu rechnen“, so der Gewerkschafter. Dies betreffe ebenso viele andere Berufe – vom Gärtner bis zur Gebäudereinigerin.

An die SPD im Kreis Leipzig appellierte Zeiß, ihre Delegierten für den Bundesparteitag Ende September in Berlin in der Rentenfrage „zu impfen“. Es sei ein wichtiges bundespolitisches Signal, wenn die SPD jetzt zu einer Kehrtwende bei der Rente 67 bereit sei. „Die SPD hat die Chance, das Rentenruder herumzureißen. Deshalb fordern wir alle SPD-Mitglieder im Kreis Leipzig auf, intensiv Einfluss auf ihre Delegierten zu nehmen und diese von einer ‚Rückholaktion’ bei der Rente mit 67 zu überzeugen“, so Zeiß.

Die IG BAU Nord-West-Sachsen spricht sich für eine grundlegende Reform des Rentensystems aus: „Wir brauchen eine Rentenkasse, in die alle einzahlen – Arbeiter und Angestellte genauso wie Beamte, Selbstständige, Politiker ...“, sagt Detlef Zeiß. Dabei sollten alle Einkommensarten berücksichtigt werden – „der Lohn genauso wie beispielsweise Mieteinnahmen oder Aktiengewinne“, so der IG-BAU-Bezirksvorsitzende.

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