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Auch Leipzigs Gebäudereiniger kämpfen um bessere Ost-Tarife

Die Gebäude- und Fassadenreiniger wollen mehr Geld. Verständlich, ist Putzen eine ja nicht gerade gemütliche Arbeit, bei der man im Sessel sitzt und am Computer wichtige Geschäfte erledigt. Schlecht bezahlt ist sie trotzdem.
Die Industriegewerkschaft BAU hat deshalb am internationalen Tag des Gebäudereinigers, dem 15. Juni, den Leipziger Nikolaikirchhof zur Aktionsfläche gemacht.

Die Aktion sollte Aufmerksamkeit schaffen. Denn am Montag, 20. Juni, findet die nächste Runde der Tarifverhandlungen statt.

Die Arbeit der Reinigungskräfte nimmt man meist gar nicht erst wahr. Doch eine geringe Bezahlung bedeutet für den Job: Es muss schneller geputzt werden, damit mehr geschafft wird. Mit sichtbaren Folgen: Wenn der Zeitdruck zu groß wird, dann kann man keine blitzeblank geputzten Klassenzimmer erwarten. IG Bau-Vorsitzender Frank Wynands will deshalb bessere Bedingungen aushandeln - diesmal mit der Botschaft: Ausbezahlung in realen Cent und nicht in prozentualen Prozent.

"Stufenplan Ost" nennt sich die Maßnahme der Industriegewerkschaft Bauen- Agrar-Umwelt (IG Bau), der die
Lohndifferenz zwischen Ost und West in absehbarer Zeit ausgleichen soll. Im Osten sollen die Innenreiniger demnach 70 Cent mehr pro Stunde bekommen und die Glas- und Fassadenreiniger mindestens 90 Cent. "Gute Arbeit, guter Lohn, alles andere ist ein Hohn!" ist die Parole.

Auf dem Nikolaikirchhof hatten sich deshalb rund 150 Gewerkschaftsmitglieder versammelt und machten ihrem Unmut über die Entscheidungsträger Luft. Ganz friedlich versteht sich. Nur ein extra umgetexteter Song kritisierte auf sehr direkte Art die ungerechte Geldverteilung: "Sag mir, wovon soll ich leben, wenn die da oben nur den Banken geben?", fragt der Sänger über die Lautsprecher. Das Lied endete mit dem Satz: "Ich putz dein Scheiß Haus nicht!" Die Botschaft ist eindeutig: Mach deinen Dreck doch selber weg, wenn wir nicht mehr Geld zum Leben bekommen.

Da kommt man schon ins Grübeln: Wie lange braucht man eigentlich zu Hause, um das Bad oder die Küche zu putzen? Und zwar nicht nur oberflächlich, sondern mit Fenstern, Einlegeböden, Kühlschrank und Herd. Ein bis zwei Stunden, bei Manchen werden es vielleicht sogar drei, je nach Verschmutzungsgrad.

Die Innenreiniger einer Schule oder eines Büros müssen zwar keine Fenster putzen oder Küchenschränke auswischen, aber sie müssen meterlange Flure, Treppenhäuser und die Büroräume ja auch noch wischen oder saugen. Da stehen Tische im Weg, da muss unter dem Schrank der Staub eingefangen werden. Auf den Fenstern macht sich die Grünpflanze breit. Für eine Fläche von 120 qm, was der Fläche eines durchschnittlichen Einfamilienhauses gleichkommt, haben die professionellen Putzer gerade mal eine knappe Stunde Zeit.

Putzlappen als Träger deutlicher Forderungen.
Zu wenig Zeit, um da noch gründlich zu sein. Die Reinigungskräfte für Innenräume haben noch höheren Zeitdruck, denn die ersten Mitarbeiter der meisten Büros und Schulen trudeln gegen 6 Uhr morgens ein. Da sollten die Mülleimer geleert und alles sauber sein.

Die reale Situation sieht anders aus. Auch die Kommunen sparen. Und so sind Klassenräume nur noch aller zwei Tage an der Reihe. Beatrix Schneider leitet einen Reinigungstrupp in einer der Leipziger Firmen. Sie beklagte vor allem das schlechte Image, das ihrem Berufsstand zugeschrieben wird. Keiner soll ja die unsichtbaren Wichtelmänner sehen, die alles wieder schön machen. Deshalb arbeiten sie meist auch dann, wenn andere noch schlafen und schon im wohlverdienten Feierabend sind. Ein mit Wünschen und Forderungen beschriebener Teppich aus Putzlappen - dem täglichen Arbeitsgerät der Gebäude-, Glas- und Fassadenreiniger - flatterte am Dienstag im Wind und machte auf die Missstände aufmerksam.

(Quelle: lizzi-online.de)

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