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Jugendvertretung: IG BAU will „Wahlfieber“ in Betrieben und Behörden
Azubis im Kreis Nordsachsen sollen eigenen „Chef-Sprecher“ wählen

Von wegen „Grünschnabel“: Azubis brauchen sich nicht groß in Schale schmeißen, um aufzufallen. Sie haben auch so die Chance auf einen direkten Draht zum Boss: Jugendliche können nämlich ab sofort ihren „Chef-Sprecher“ am Arbeitsplatz wählen. Die IG BAU ruft den Nachwuchs in Betrieben und Behörden auf, eine Jugendvertretung zu gründen„Hey Boss, hier sind wir ....“ – Azubis in Betrieben im Kreis Nordsachsen verschaffen sich Gehör. In dieser Woche starten sie mit den „Junior-Wahlen“. Dabei stimmen sie zusammen mit anderen jungen Berufsstartern, Betriebspraktikanten und Werkstudenten über ihre „U25-Sprecher“ im Betrieb ab. Sie wählen die Jugend- und Azubi-Vertretungen (JAV). „Dabei mitzumachen und den eigenen ‚Chef-Sprecher’ zu wählen, ist wichtig. Ansonsten ist das wie Fernsehen gucken ohne die Fernbedienung selbst in der Hand zu haben“, sagt Detlef Zeiß.

Für den Bezirksvorsitzenden der IG BAU Nord-West-Sachsen ist eine Jugendvertretung in Betrieben und Behörden als „junge Stimme mit direktem Draht zum Chef“ wichtig: „Es ist noch keiner vom Himmel gefallen, der dem Meister auch einmal sagt, wo’s langgeht. Also bleibt nur eines: die Wahl der Azubi-Sprecher. Das ist der beste Weg, dem Boss klar zu sagen, wo es im Betrieb hakt“, so Zeiß.

Vom schlechten Arbeitszeugnis bis zum unfairen Ausbilder – die Jugendvertreter sollen die Steine aus dem Weg räumen, über die Jugendliche bei ihren ersten Schritten ins Berufsleben häufig stolpern. „Oft sind die jungen Menschen froh, überhaupt eine Lehrstelle ergattert zu haben“, so Detlef Zeiß. Dann sei die Hemmschwelle groß, sich beim Chef über zu lange Arbeitszeiten, fehlende Schutzkleidung oder schlechte Zeugnisse zu beschweren. Die Jugendvertreter würden diese Probleme kennen – meist seien es selbst Auszubildende oder junge Beschäftigte. „Sie können für die Rechte ihrer Mit-Azubis eintreten. Denn auch wenn die Lage auf dem Ausbildungsmarkt angespannt ist – Azubis sind kein Freiwild“, macht der Bezirkschef der IG BAU deutlich.

Die IG BAU will dem Betriebsnachwuchs im Kreis Nordsachsen bei der Gründung von Jugendvertretungen unter die Arme greifen. Zeiß fordert die Arbeitgeber auf, die Wahlen der Jugend-Sprecher zu unterstützen. „Die Jugendlichen haben das Recht auf eine Vertretung – notfalls werden wir ihnen helfen, es durchzusetzen“, so der Bezirksvorsitzende der IG BAU Nord-West-Sachsen. Allerdings baue die IG BAU auf die Einsicht der Firmen-Chefs. Zeiß: „Wenn es junge Menschen in der Firma gibt, die sich engagieren und mit eigenen Vorschlägen das Betriebsklima und die Ausbildung verbessern möchten, dann ist das ein Gewinn. Welcher Unternehmer kann da etwas dagegen haben?“

Die „Junior-Wahl“ ist noch bis zum 30. November in Betrieben und Behörden möglich. Voraussetzung ist, dass es dort mindestens fünf Jugendliche gibt. Seine Stimme abgeben darf jeder Beschäftigte, der unter 18 Jahre alt ist. Ebenso alle Mitarbeiter unter 25, die ihre Berufsausbildung absolvieren – dazu gehören Auszubildende, Werkstudenten und Praktikanten. Hat ein Betrieb oder eine Behörde zwischen fünf und zwanzig wahlberechtigte Jugendliche, dann darf dort ein Jung-Vertreter gewählt werden. Bei 21 bis 50 Wahlberechtigten sind es drei „Jugendräte“. Die JAV-Wahlen finden alle zwei Jahre statt.

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