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Zunahme bei Solo-Selbstständigen | IG BAU fordert Meisterpflicht
Ein-Mann-Betriebe gefährden Handwerk im Kreis Nordsachsen

Fliesenleger sind immer häufiger als Solo-Selbstständige unterwegs. Dabei arbeiten sie oft zuRollende Ein-Mann-Betriebe: Immer häufiger sind im Landkreis Nordsachsen Solo-
Selbstständige unterwegs. Doch viele von ihnen arbeiten nach Einschätzung der IG BAU
unter schlechten Bedingungen – ohne soziale Absicherung und mit einem Einkommen,
das teils unter dem Mindestlohn liegt. „Gerade im Handwerk hat die Zahl der Ein-Mann-
Firmen stark zugenommen – oft mit großen Abstrichen bei der Qualität“, sagt Bernd
Günther. Der IG BAU-Bezirksvorsitzende kritisiert dabei Online-Portale wie MyHammer
oder Helpling, die ein solches Geschäftsmodell unterstützten. „Zwar scheint ein Fachmann
dort nur ein paar Klicks entfernt. Doch ein Großteil dieser sogenannten ,Gig-Worker‘
arbeitet ohne Gesellenbrief und Renten- oder Sozialversicherung“, so Günther.

Die IG BAU Nord-West-Sachsen macht für den Trend insbesondere den Wegfall der
Zulassungspflicht in vielen Handwerksberufen verantwortlich. Seitdem können sich etwa
Fliesenleger ohne abgeschlossene Lehre selbstständig machen. Die Folge: Die Zahl der
Fliesenlegerbetriebe im Bereich der Handwerkskammer Leipzig ist kräftig angestiegen –
von 359 im Jahr 2004 auf 648 im vergangenen Jahr. In der Gebäudereinigung – seit 2004
ebenfalls zulassungsfrei – zählt die Kammer im selben Zeitraum ein Plus bei den
Betrieben von 143 Prozent.

Von einem „Warnsignal“ spricht Gewerkschafter Günther: „Zum goldenen Boden des
Handwerks gehört das klare Bekenntnis zu soliden Standards, zur Berufsausbildung und
zum fairen Wettbewerb. All das ist mittlerweile in Gefahr.“ Ein großes Problem sei die
Selbstausbeutung der Solo-Unternehmer. „Sie müssen ihre Arbeitszeiten nicht
aufschreiben und arbeiten oft zu Mini-Löhnen. Das erhöht den Preisdruck für reguläre
Firmen, die ihre Leute ordentlich bezahlen und Sozialabgaben abführen müssen“, sagt
Günther.

Die IG BAU fordert die Politik dazu auf, für eine bessere Absicherung zu sorgen. So
könnten Ein-Mann-Unternehmer etwa in die Altersversorgung der Bauwirtschaft
einbezogen werden. Denkbar sei auch eine verpflichtende Unfallversicherung. Günther:
„Am Ende brauchen wir aber wieder eine Meisterpflicht in allen Handwerksbereichen. Nur
damit sind Qualität und Nachwuchs gesichert.“ Noch in dieser Legislaturperiode könne die
große Koalition den Meisterbrief wieder in der Handwerksordnung vorschreiben.

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